Event

Eröffnung: »Kristin Kelich und Eiko Gröschl«

La theorie c'est bon, mais ca n'empeche pas d’exister; Charcot

Was nicht gesagt werden kann, muss gezeigt werden. Der berühmte letzte Satz aus Wittgensteins Tractatus – “Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.” – birgt ein offensichtliches Paradox: Er enthält ein überflüssiges Verbot, denn er untersagt etwas, das ohnehin unmöglich ist.
Im Jahre 1961 riefen mehrere Künstler u.a. die Malerin Helen Frankenthaler, die Maler Willem De Kooning, Robert Motherwell und Ad Reinhardt zu einem Boykott des kulturellen Lebens der Stadt New York auf. Sie reagierten damit auf das mangelnde Interesse der Stadt New York, Künstlern und Künstlerinnen leerstehende Industrielofts, vorwiegend in Manhattan, als leistbare Ateliers zur Verfügung zu stellen. Dieser Boykott rief dazu auf der Kunst zu einer gleichberechtigten Position in der Gesellschaft zu verhelfen. Diverse künstlerische Produktionen und Aktivitäten sollten so zu einem sichtbaren konstitutiven und dauerhaften Element werden. Dieser Hinweis auf eine „Neupositionierung“ der Kunst inmitten der Gesellschaft weißt auf die Notwendigkeit hin dem systematischen Zugewinn an externer Kompetenz und externer Kultur, den nur die Kunst alleine leisten kann, Raum zu geben. Dies scheint geradezu eine Bedingung für die Weiterentwicklung einer urbanen Identität unserer Gesellschaft zu sein. Dieses Ereignis markiert einen Wendepunkt im Selbstverständnis der Künstler, insbesondere der Maler und Malerinnen, gegenüber der Öffentlichkeit. Nur Teil zu sein, im besten Fall einer Bohème, war nicht länger zufriedenstellend. Die künstlerische Produktion sollte als das wahrgenommen werden was sie ist, „Painting Intellect“ und „Participative Intellectualism“. Dieser Boykott stellt somit einen Paradigmenwechsel in der Geschichte der Zeitgenössischen Kunst dar.

Jenseits der Fiktion der Realität gibt es die Realität der Fiktion. Ganz grundlegend lautet die Formel “Epur si muove”. Bewegung ist das Streben nach der Leere, d.h. Die Dinge bewegen sich, es gibt etwas und nicht nichts, nicht weil sie weniger ist als nichts. Die Realität braucht die Ergänzung durch die Fiktion, um diese ihre Leere zu verbergen. Wir stellen uns die Frage, ist Kunst Realität oder Fiktion? Wo werden sie sichtbar, die Grenzen zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen? Argumentiert Kunst auf einer Ebene der kritischen Distanz, oder auch auf einer Ebene der Empathie? Ist Kunst nur in einem Zustand der Getriebenheit möglich und ist also Getriebenheit das grösste Glück?

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