Technologisierte Kunst

Internationale Kuratoren beziehen Stellung

Tearing light from sound 2014 / Foto: Bernhard Rasinger

Im Rahmen von Curators’ Picks lädt die VIENNA ART WEEK fünf internationale Kuratorinnen und einen Kurator nach Wien ein, deren Arbeit von neuen Technologien und digitalen Innovationen geprägt ist. Das kommt nicht von ungefähr, steht doch die diesjährige Woche der Kunst unter dem Motto »Transforming Technology«. Kaum eine Entwicklung hat künstlerische Prozesse derart revolutioniert wie die Automatisierung und Digitalisierung der vergangenen Jahre. Welche Möglichkeiten tun sich dadurch auf? Und sind neue Technologien nun Segen oder Fluch? Fragen wie diese stehen in der Arbeit der geladenen Kuratoren im Vordergrund.

Raz Samira
»Die Wiener Kunstszene pulsiert ebenso wie die israelische Kunstszene, die auch Veränderungen und einem Wandel unterliegt. Eine künftige Zusammenarbeit ist damit vorprogrammiert. Speziell im Bereich der Fotografie, der sich in den vergangenen Jahren neu definieren musste, sehe ich eine Möglichkeit des vertiefenden Dialogs zwischen den beiden Orten gegeben.«

Raz Samira arbeitet seit 2002 im Tel Aviv Museum of Art (TAMA) – zwischen 2014 und 2017 als Kuratorin für moderne Kunst, seit 2017 als Kuratorin für Fotografie. In engem Kontakt zur zeitgenössischen Kunstszene Tel Avivs hat sie bereits neun Ausstellungen im TAMA und mehr als 50 Ausstellungen zu verschiedenen Themen als freie Kuratorin kuratiert. Zusätzlich publiziert Samira Artikel in Magazinen und Katalogen, arbeitet als Lektorin und organisiert multidisziplinäre Großevents für das TAMA.

Julie Boukobza
»Die einzigartige Mischung aus einem starken kunstgeschichtlichen Hintergrund und einer sehr aktiven, leidenschaftlichen jungen Szene mag ich an Wien am liebsten. Die Institutionen hier sind außergewöhnlich und die Art, wie sie die Kunstschaffenden unterstützen, bewundernswert. Für mich wird Wien immer von der Figur des verstorbenen Franz West verkörpert werden, dem Inbegriff von Freiheit und Eleganz.«

Julie Boukobza ist freie Kuratorin und Kunstkritikerin in Paris. Sie schreibt regelmäßig für »artpress«, »L’Express«, »Numéro« und »Double Magazine«. Zuletzt kuratierte sie die Gruppenausstellung »FADE IN« im Museum für zeitgenössische Kunst Belgrad (mit Simon Castets), »Pure Fiction« in der Galerie Marian Goodman und eine Einzelschau zu Peter Shire in der New Galerie, beide Paris. Seit 2003 leitet Boukobza das Residency-Programm 89plus / Google Cultural Institute und realisiert gemeinsam mit dessen Initiatoren Hans Ulrich Obrist und Simon Castets Ausstellungsprojekte von 89plus, zuletzt etwa im Musée d’Art Moderne, in der Monnaie de Paris und der Fondation Cartier.

Ben Vickers
»Ich freue mich sehr, an der diesjährigen VIENNA ART WEEK teilzunehmen – besonders auf die Möglichkeit, Metalab zu besichtigen, einen einflussreichen frühen Hackerspace, der von der beginnenden net.art bis zum 3-D-Druck prägende Wirkung gehabt hat. Wien kenne ich als Geburtsstätte des Wiener Aktionismus und als Heimat einiger der wichtigsten Kunstschaffenden der vergangenen Jahrzehnte, wie etwa des Künstlerduos Übermorgen.«

Ben Vickers ist Kurator, Forscher, Technologe und Technologiekritiker. Er ist Technischer Direktor (CTO) der Serpentine Galleries in London und Initiator des Open Source-Mönchsordens »unMonastery«.

Susan Hapgood
»Mit seinen vielen Museen, Kunstschaffenden, Kunstuniversitäten, Galerien, einer großen Sammlerschaft, vergleichsweise niedrigen Mieten und der unmittelbaren Nähe zu so vielen anderen Kulturhauptstädten in allen Himmelsrichtungen erscheint mir die Wiener Kunstszene wirklich tragfähig und stark. Künstlerinnen und Künstlern, die hier leben, sage ich immer, dass sie so ein großartiges Arbeitsumfeld nicht als selbstverständlich ansehen dürfen.«

Susan Hapgood ist Kuratorin und geschäftsführende Direktorin des International Studio & Curatorial Program (ISCP), New York. Nach Anfängen im Guggenheim Museum und im New Museum of Contemporary Art, New York, war sie Gründungsdirektorin des Mumbai Art Room in Indien und Chefberaterin bei Independent Curators International (ICI), New York. Kuratorin zahlreicher Ausstellungen, darunter »A Fantastic Legacy: Early Bombay Photography« und »Energy Plus« (Shanghai Biennale 2012). Publiziert zu zeitgenössischer Kunst.

Taylor Le Melle
»Die Wiener Kunstszene sprüht vor Lebendigkeit und scheint bestens unterstützt: Eine beeindruckende Mischung österreichischer und internationaler Kunstschaffender hat das ganze Jahr über großartige Ausstellungsmöglichkeiten. In der geografischen Nähe der vielen Institutionen im Museumsquartier liegt großes Potenzial für die interdisziplinäre Zusammenarbeit.«

Taylor Le Melle ist Kuratorin, Autorin und Wissenschaftlerin. Unter anderem kuratierte sie Ausstellungen im McKenna Museum of African American Art, New Orleans, sowie in London im Chisenhale Dance Space, Arcadia Missa und Assembly Point. Aktuell arbeitet Le Melle als Assistenzkuratorin für Öffentliche Programme der Serpentine Galleries, London – einer interdisziplinären Schiene für Film, Musik, Performance und Tanz. Für Zadie Xa schrieb Le Melle Drehbücher für einen Film und vier Performances, nebenbei leitet sie gemeinsam mit Herausgeber Rowan Powell »PSS Press« in London.

Natalia Sielewicz
»Mit seiner reichhaltigen Kunstinfrastruktur, die von Artist-run Spaces über kommerzielle Galerien zu etablierten öffentlichen Institutionen reicht, bietet Wien eine Fülle von Auswahlmöglichkeiten. Mich persönlich hat stets am meisten sein fantastisches Erbe von performativer Kunst, experimenteller Musik und Film fasziniert. Es ist dieser avantgardistische Geist, der mich an Wien und seinem lebendigen kulturellen Angebot anzieht.«

Natalia Sielewicz ist Kuratorin am Museum für Moderne Kunst in Warschau, Polen. 2017 feierte sie kuratorische Erfolge u. a. mit der Show »Hoolifemmes«, die Performance als Werkzeug der Ermächtigung und des Widerstands gegen das Innenministerium nutzt, und dem Format »Intimacy as Text«, das sich mit Wirkung und Poesie des Geständnisses in Literatur und bildender Kunst beschäftigt. 2016 und 2015 kuratierte sie »Private Setting. Art after the Internet«, eine der weltweit ersten Bestandsaufnahmen des Einflusses neuer Kommunikationstechnologien und Datenbereiche auf zeitgenössische Kunst und Identitätspolitik.


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