Rote Raum-Linien

Licht ist Linie ist Fläche ist Raum

Rudolf Leeb, Ben Gyula Fodor und Marcello Farabegoli (v. l. n. r.) / Foto: Christian Wind

Der ARCC.art Open Space denkt analogen und digitalen Raum gemeinsam – für Kurator Marcello Farabegoli der ideale Ort, um Ben Fodors Arbeiten auszustellen. Sie lassen eine neuartige Räumlichkeit zwischen Fläche und Tiefe entstehen.

Eine karmesinrote Linie im Schwarz. Langsam taucht sie aus der Dunkelheit auf, schwillt im Crescendo an, dünnt wieder aus und verschwindet schließlich im Schatten. Ein Punkt gesellt sich dazu, mehrere einander kreuzende Linien erzeugen Flächen. Ben Gyula Fodors doppelt lichtgezeichnete Fotografien entstehen durch Laserprojektionen und Langzeitbelichtung. Fodor arbeitet mit Licht und Dunkelheit gleichermaßen, lässt mittels körperloser Energiewellen vergängliche Volumina, Figuren und Strukturen entstehen. Ausgehend von neu geschaffenen Horizontlinien erzeichnet er sich einen blutroten Raum, bewegt sich, wie er erklärt, im »geistigen Orbit«. Er werfe den Blick eines umherwandernden Fremden auf die Welt, so die Selbstbeschreibung des 1981 aus Ungarn geflohenen Künstlers.

Marcello Farabegoli, Wiener Kurator mit italienischen Wurzeln, entdeckte Ben Gyula Fodors Arbeiten, als dieser 2016 im Budapester Ludwig Museum ausstellte. In den vergangenen Jahren ist Fodor mit Fotografien der »außerirdisch wirkenden« Erdoberfläche (»Noosphere«, 2006) und der Suche nach neuen Horizonten aufgefallen. Anlässlich der VIENNA ART WEEK lädt Farabegoli den Wahl-Wiener zur Ausstellung »Carmine« im ARCC.art Open Space. Für die Schau druckt Fodor erstmals Fotografien ephemerer Licht-Architekturen und Licht-Landschaften auf Glas.

Die im Kameraauge zu einer Raumkonfiguration zusammengeführten Bewegungen des Künstlers erhalten einen transparenten Grund und damit das Schwebende zurück. »Ben Fodors Einsatz des gebündelten Lichts lässt eine neuartige Räumlichkeit zwischen Fläche und Tiefe entstehen«, zeigt sich Farabegoli vom scheinbaren Widerspruch der Arbeiten fasziniert. Der Kurator, der von der klassischen Musik und der Quantenphysik kommt, begeistert sich für die performative Raumerschließung Fodors und hat im ARCC.art Open Space von Ulla Bartel und Rudolf Leeb einen Ort gefunden, in dem analoger und digitaler Raum gemeinsam gedacht werden. Seit 2012 konnte Marcello Farabegoli höchst unterschiedliche Künstler für eine Zusammenarbeit im Rahmen der VIENNA ART WEEK gewinnen: Hana Usui und den legendären Berliner Club der polnischen Versager in der Kunsthalle Wien, Edgar Honetschläger und Erwin Wurm in der Gruppenausstellung »No More Fukushimas« sowie Guido Kucsko in »The Beauty of Intellectual Property«.

Mit Ben Gyula Fodors Personale im ARCC.art Open Space verortet Farabegoli seine kuratorische Praxis einmal mehr in einem transdisziplinären Kontext.

Artikel von Alexandra Matzner:

Alexandra Matzner, geboren 1974 in Linz. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Kuratorin, Kunstvermittlerin und Kulturjournalistin, zahlreiche Publikationen und Katalogbeiträge zu Fotografie und Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Arbeitet als freie Autorin in Wien und baut die unabhängige Kulturplattform artinwords.de auf.


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