Kreative greifen Trends schneller auf

Maschinenkraft, Kreativität und Konvergenz: Ein Gespräch

Gerhard Hirczi / Foto: Christian Wind

Wien ist weltweit als Metropole von Kultur und Geschichte bekannt. Dass hier Start-ups – vor allem aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie – wie Pilze aus dem Boden schießen, ist weniger geläufig. Dabei spielt auch die Kreativwirtschaft eine gewichtige Rolle. Denn, so Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien: Gebraucht werde beides.

Wien ist wenig bekannt als Standort für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Was macht die Stadt für diese Branche so interessant?
Gerhard Hirczi: Als Welthauptstadt von Kultur und Geschichte ist Wien für etwas anderes bekannt. Doch es gibt auch den Wirtschaftsstandort Wien. Das innovative Milieu hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren enorm entwickelt: Wien ist heute mit 200.000 Studierenden die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum, die Zahl der Forschungsunternehmen und -institute hat sich auf rund 2.300 verdreifacht, und der Bereich der Start-ups wächst seit fünf bis sieben Jahren rasant, das gilt auch und gerade für den IKT-Sektor.

Inwieweit profitiert Wien von der stärkeren Aktivität der Start-ups?
Gerhard Hirczi: Enorm. Start-ups werden zu einem eigenen Standbein, können den Einbruch bestimmter Wirtschaftsbereiche teilweise kompensieren. Außerdem prägen sie das Bild von Wien. Wenn eine Stadt viele Start-ups hat, die innovativ sind und für die Gesellschaft wichtige Lösungen finden, dann zeigt sie international ein Bild von sich, das wir als Wirtschaftsförderer benötigen. Die Menschen sollen bei Wirtschaft nicht immer nur an Paris, London und Berlin denken, sondern auch an Wien.

Wie sehr ist die Kreativszene mit dem Thema IT verbunden?
Gerhard Hirczi: Die Konvergenz schreitet voran. Das war nicht immer so. Früher standen einander die Kreativen und die Technologen gegenüber, heute arbeiten sie zusammen. Das versuchen wir aktiv zu unterstützen, indem wir uns beispielsweise als Wirtschaftsagentur an der VIENNA ART WEEK beteiligen oder einen Wettbewerb für digitale Formate von Kreativen ausrufen. In der Digitalisierung spielt die Kreativwirtschaft eine große Rolle. Wir brauchen auf der einen Seite die menschliche Intelligenz und Kreativität, denn diese Bereiche wird die Technik nicht ersetzen können; andererseits steht die Maschinenkraft im Dienst des Menschen. Nehmen wir Design oder Handwerk: 3-D-Druck erleichtert die Umsetzung von Entwürfen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kreative oft flexibler und risikobereiter sind, Trends schneller aufgreifen und so Vorbildwirkung haben.

Artikel von Eva Komarek:

Eva Komarek wurde die Liebe zur Kunst als Tochter eines Künstlers in die Wiege gelegt. Beruflich widmete sie sich bei Dow Jones, dem »Wall Street Journal«, Reuters und dem »WirtschaftsBlatt« der Wirtschaftsberichterstattung. Im »WirtschaftsBlatt« gründete sie die Rubrik »Kunstmarkt«, die sie ab 1996 betreute.


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