Jäger und Sammler

Der Weg zum Kunstkollektor

Michael Klaar / Foto: Christian Wind

Wie entstehen Sammlungen, und was ist das Geheimnis erfolgreichen Kunsterwerbs? Das Magazin der VIENNA ART WEEK hat bei prominenten Sammlern nachgefragt.

»Egal, ob man eine Arbeit besitzt oder 10.000«
Bei dem Pianisten und Dirigenten Michael Klaar manifestierte sich der »verwegene Gedanke«, eine Sammlung aufzubauen, bereits im Teenageralter. Inspiriert vom Kunstmuseum Basel, dessen Sammlung zum größten Teil Donationen zu verdanken war, wollte er als 13-Jähriger Werke für das Wiener Museum Moderner Kunst erwerben. »Leider war ich im Gegensatz zu den Schweizer Kunststiftern weder Erbe eines Pharmavermögens noch Bankier. Diese schmerzliche Erkenntnis durchkreuzte meine naiven Kindheits­pläne; der Impetus, Kunst zu sammeln, war aber gegeben.«

Heute umfasst Klaars Sammlung Werke von Größen wie Vito Acconci, Paul McCarthy und Gerhard Richter. Doch oft genug hält die Kunstwelt noch Überraschungen bereit: Erst jüngst habe ihn der Zufall um Arbeiten der jungen Georgierin Nino Sekhniashvili und Pawel Althamers bereichert. Das Sammeln sei heute spannender denn je: »Die Gewissheit, dass endgültige Ergründlichkeit der gesammelten Werke trotz aller Versuche der Exegese ein frommer Wunsch bleibt, ist ein unaufhörlicher Quell geistiger Nahrung.« Klaar schließt mit den Worten des Philosophen Paul Valéry: »Ein Kunstwerk sollte uns immer darauf hinweisen, dass wir noch nicht gesehen haben, was wir sehen.«

»Wir haben es gern ein wenig politisch«
Bernhard und Ruth Moss haben ihre ersten Arbeiten bereits in der Studentenzeit erstanden. Es war immer das einzelne Werk, das zum Erwerb anregte, der Kauf meist subjektiv, spontan und impulsiv. Um ein stetes Maß an Qualität zu garantieren, einigte man sich auf drei Spielregeln: Die Arbeiten müssten irritieren, konfrontieren und fordern – und das täglich. »Das Werk muss uns Tag für Tag daran erinnern, dass die Welt da draußen nicht ganz so ist, wie sie scheint. Wir haben es auch gerne ein bissl politisch und autobiografisch.«

Die Werber umgeben sich bevorzugt mit den Schwingungen der Werke von Künstlern, die sie als »Seismografen der Gesellschaft« verstehen: »Die Arbeiten müssen das Sein beeinflussen, das Denken und die Diskussion anregen. Dann ist es egal, ob man eine Arbeit besitzt oder 10.000.« In diesem Sinne empfiehlt das Paar einen ebenso intuitiven wie entspannten Kunsterwerb: »Einfach anfangen, dranbleiben und sich keinen Druck machen. Wenn man den Fokus auf Qualität und Spannung legt, kann nicht viel schief­gehen.«

Artikel von Salomea Krobath:

Salomea Krobath studierte Sozialwissenschaften und Chinesisch in den Niederlanden, in China und Großbritannien. Seit 2014 ist sie als freie Journalistin unter anderem für das Nachrichtenmagazin »profil« tätig.


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