Ganz und gar nicht homogen

Regionen und Residenzen

Christiane Erharter, Dora Hegyi, Judit Angel, Heide Wihrheim, Michaela Geboltsberger (v. l. n. r.) / Foto: Christian Wind

Das länderübergreifende Netzwerk tranzit mit Räumen in Österreich, Ungarn, Rumänien, Tschechien und der Slowakei fördert seit seiner Gründung im Jahr 2002 zeitgenössische Kunst.

In einer Kooperation mit der ERSTE Stiftung zeigt das Kuratorinnenkollektiv die internationale Gruppenausstellung »Stopover – Ways of Temporary Exchange« im MuseumsQuartier. Anlass ist das 15-Jahr-Jubiläum des gemeinsamen Residence-Programms in Wien. Judit Angel von tranzit.sk in Bratislava und Dora Hegyi von tranzit.hu in Budapest, zwei der fünf Kuratorinnen, erzählen von der Bedeutung des kulturellen Austausches für ihre Arbeit.

Dora Hegyi und Judit Angel, wie sind Sie als Kuratorinnen an die Ausstellung in Wien herangegangen?
Dora Hegyi: Wir wollten die Bedeutung von kurzfristigen Residenzen, sogenannten Artist-in-Residence Programmen, für die heutige Kunstproduktion und jene Wiens für die Region diskutieren – das hat uns auch angesichts seiner Geschichte als kulturelles Zentrum interessiert.
Judit Angel: Der Bezug zur ehemaligen Monarchie war für uns Anlass, über unterschiedliche Arten des Imperialismus zu reflektieren. Die Arbeiten befassen sich sowohl mit der Zeit vor 1989 als auch mit der Ära des Übergangs.

Die Ausstellung feiert 15 Jahre tranzit-Residenzen. Kann man von einer Retrospektive sprechen?
Judit Angel: Wir wollen eine Lanze für Residence-Programme, für kulturellen Austausch und Mobilität brechen. Die Kunstschaffenden behandeln Themen aus ihrem jeweiligen Kontext heraus, interessieren sich aber auch für das, was vor Ort passiert. Und dann gibt es globale Themen, die uns alle betreffen – Ökologie, Migration, wirtschaftspolitische Krisen. Die Ausstellung spannt den Bogen über lokale Zustände vor dem Hintergrund allgemeiner, für die gesamte Menschheit relevanter Fragen.

Welche Rolle spielt ein Netzwerk wie tranzit angesichts der Möglichkeiten globaler Vernetzung und des kulturellen Austauschs durch digitale Technologien?
Dora Hegyi: Die Welt ist nicht so globalisiert und Osteuropa nicht so homogen. Jeder Ort hat einen eigenen Hintergrund, der aus der Ferne oft unscharf bleibt. Bei tranzit arbeiten alle Zweigstellen autonom, können direkt auf relevante Themen eingehen und ortsspezifische Diskurse anregen. In Ungarn sind wir seit 2010 zunehmend mit einer Politik konfrontiert, die progressiven Kultureinrichtungen entweder Zügel anlegt oder ihnen die Unterstützung entzieht. tranzit nimmt hier eine wichtige Rolle als Raum für Reflexion ein.

Artikel von Daniela Fasching:

Daniela Fasching hat in Wien und London (Royal Holloway) Anglistik und Kunstgeschichte studiert. Sie arbeitet im Bereich Museumspädagogik (Kunsthalle Wien) und Wissenschaftskommunikation (ACDH) in Wien.


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