Es geht um künstlerische Ausweitung

Games-Kunst im Galeriekontext

Christian Bazant-Hegemark, Josef Who und André Stolzlechner (v. l. n. r.) / Foto: Christian Wind

»Videospiele sind eines der wenigen ganz neuen kreativen Medien des 21. Jahrhunderts«, sagt Christian Bazant-Hegemark, kuratorischer Leiter der HOLLEREI Galerie. »Und interessanterweise gibt es bislang noch keine Sprache dafür, wie sie im Kunstkontext am besten präsentiert werden können.« Das finanziell erfolgreichste Unterhaltungsmedium des Planeten – Hollywood wurde in Sachen Umsatz bereits vor Jahren von der Spieleindustrie überrundet – hat zwar bereits den Weg in Institutionen wie das New Yorker MoMA gefunden, doch es ist noch viel Pionierarbeit zu leisten. »Uns als Galerie interessiert die Leidenschaft von kreativen Köpfen«, so Bazant-Hegemark. »Die Herausforderung dabei ist, wie sich eine künstlerische Vision jenseits des konkreten Produkts Videospiel im Galeriekontext präsentieren lässt.«

Natürlich eignen sich nicht alle Spiele gleich gut dafür. »Bei Hochglanzproduktionen, die mit Millionenbudget und oft hunderten Mitarbeitern als reine Unterhaltungsprodukte entstehen, ist es schwierig, von einer künstlerischen Vision zu sprechen. Bei den Spielen kleinerer Teams oder von Einzelpersonen, die unabhängig vom kommerziellen Massenmarkt arbeiten, ist das anders«, meint Josef Who. Der Wiener Spieleentwickler ist einer der ausgestellten Künstler, deren Auswahl sich an geografischer Nähe und vor allem künstlerischer Qualität orientierte. Bilder und Installationen von Broken Rules, Lost in the Garden, Stephan Hövelbrinks, Georg Hobmeier und Amanita Design sollen die ästhetische Vision von Spielen abseits des reinen Produkts oder von Merchandising illustrieren. »Wir wollen die Regeln aufbrechen und das Gespräch erweitern«, sagt auch Galerist André Stolzlechner, der mit seiner Frau Margit und Bazant-Hegemark die HOLLEREI Galerie führt. »Das Ziel ist, qualitativ Hochwertiges zu präsentieren, auch ein Galeriepublikum zu überraschen, zu sagen: Schaut euch das einmal an! Es ist eine Investition in die Zukunft, bei der es uns als Galerie um nachhaltige Positionierung geht.« Noch müsse man dem Kunstpublikum das neue Medium hin und wieder »reinschummeln« und die Werke dann für sich allein bestehen lassen. »Technologie und Kunst waren immer schon vereint«, sagt Bazant-Hegemark. »Es geht um künstlerische Ausweitung. Immerhin haben schlussendlich auch Fotografie und Film als eigenständige Kunstformen Anerkennung gefunden.«

Artikel von Rainer Sigl:

Rainer Sigl schreibt und spricht seit über zehn Jahren über Videospiele, unter anderem für FM4 und »Der Standard«. Er ist Mitglied der Redaktion des Gameskultur-Booka­zines WASD und betreibt seit fünf Jahren das Gamesfeuilleton-Blog videogametourism.at.
Studium der Germanistik und Kunstgeschichte.


Share your selection:
Add event to selection