Es geht so viel, wie reingeht

Der Blickle Raum in der Wiener Spiegelgasse

Claudia Slanar, Carola Dertnig und Ursula Blickle (v. l. n. r.) / Foto: Marlene Rahmann

Die Ursula Blickle Stiftung wurde im vergangenen Jahr 25 Jahre alt. Seit 1991 engagiert sich ihre Gründerin Ursula Blickle für zeitgenössische Künstler und Kuratoren. In einer renovierten Ölmühle im badischen Kraichtal, dem Sitz der Stiftung, wurden 95 Ausstellungen realisiert, dazu zahlreiche Kunstbücher und Kataloge. Das 2007 gegründete Ursula Blickle Video Archiv im Wiener Belvedere ist eines der wichtigsten Archive für Videokunst im deutschsprachigen Raum. Seit Anfang 2017 setzt die Stifterin im Blickle Raum Spiegelgasse verstärkt auf performative künstlerische Formate. Ursula Blickle, Carola Dertnig, Claudia Slanar und Claudia Bauer über ihre Pläne für den Blickle Raum.

Der Blickle Raum im Dachgeschoß des Ankerhauses von Otto Wagner stand von 2014 bis 2016 dem Künstler Roman Pfeffer und Gabriele Rothemann, Künstlerin und Professorin für Fotografie an der Universität für angewandte Kunst Wien, für jeweils über ein Jahr zur Verfügung. Die beiden konzipierten und zeigten zahlreiche Ausstellungen und Projekte im Dialog mit Werken anderer Kunstschaffender. So etablierte sich in diesem für Experimente geeigneten Umfeld ein offener Ort des Diskurses und Ausstellens.

Für Claudia Bauer ermöglichen allein Größe und Lage des Raumes eine bestimmte Offenheit. Dem kann Ursula Blickle nur zustimmen: »Er eignet sich besser für Performances als für konventionelle Ausstellungen. Als wir bei Gabriele Rothemanns letztem Salon Teppiche und Musik hier hatten, hat er gut funktioniert. Ich habe mir mehr solche Dinge gewünscht, in denen sich Kunstformen überschneiden.« Für 2017 hat Ursula Blickle das Konzept geöffnet und den Blickle Raum Spiegelgasse drei Frauen überlassen: Claudia Slanar, die das Ursula Blickle Video Archiv im Belvedere leitet und unter anderem die Ausstellung »Tanz es« in der Blickle Stiftung in Deutschland kuratierte, Carola Dertnig, Künstlerin und Professorin für performative Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien, und Claudia Bauer, organisatorische und kommunikative Wegbegleiterin der Stiftung seit der Gründung des Ursula Blickle Video Archivs in der Kunsthalle Wien 2007.

2017 steht der Blickle Raum im Zeichen performativer Untersuchungen in Kombination mit Tanz, Architektur und Sound. Claudia Slanar über die Idee dahinter: »Alltägliche Handlungen, konditionierte Verhaltensweisen, ausdrückliche Bewegungen sollen in ihrer Ursache und in Wechselwirkung mit den räumlichen Komponenten erkundet werden. Der Raum wird als essenzielles Instrument Kunstschaffenden und Publikum zur Verfügung gestellt und so hinterlassen, wie er vorgefunden wurde: als weiße Box mit mehreren Öffnungen.«

Für 2017 sind sechs Veranstaltungen und Koopera­tionen geplant. Im April eröffnete die Performance »Never Name the Shelf« den Reigen, in der Sööt/ Zeyringer eine Vorstellung von Arbeit untersuchten, die nicht dem Verlangen nach einem konkreten Resultat nachgibt. Seth Weiner widmete sich in seiner eigens für den Blickle Raum konzipierten Performance »CHESTHEAD« im Juni einer Gesangstechnik, die sich auf ihre räumlichen Voraussetzungen stützt: dem Jodeln. Der Raum und die Besucher wurden dabei buchstäblich zu Klangkörpern. Im August öffnete sich der Raum für eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe VISUAL ARTS X DANCE von ImPulsTanz und im September für die Videoinstallation »Richard Hoeck / Heimo Zobernig, 2017«, von denen beide bereits mehrmals in der Ursula Blickle Stiftung vertreten waren. Im Oktober präsentierte der bildende Künstler Alfredo Barsuglia eine partizipative Performance.

Im Rahmen der VIENNA ART WEEK ist am Freitag, dem 17. November, eine performative Anordnung Lisa Kortschaks zu sehen. Ihre oft streng choreografierten Performances und Konzerte vervollständigt die Künstlerin durch Video- und Tonaufnahmen, die stets inte­graler Bestandteil des Settings sind.

Carola Dertnig plant einen »Performance-Filmdreh« mit dem Arbeitstitel »MY MOTHER MYSELF«, »eine filmisch-historische Verarbeitung eines Stücks Zeit­geschichte, basierend auf einem Foto aus der Ära des Hundertwasser-Ateliers in der Spiegelgasse und auf dem Wiener 70er-Jahre-Szene-Café Vanilla«. Auf diese Weise würden sich die Biografien der Künstlerin und der in Wien gebürtigen Stifterin Ursula Blickle kreuzen.

»Wir haben gemerkt, das es sowohl beim Publikum als auch bei Künstlern und Künstlerinnen Bedarf nach einem kleinen Raum gibt, in dem konzentriert zugesehen und zugehört wird, in dem die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, aufgrund des Settings größer ist«, meinen Carola Dertnig und Claudia Slanar, »und natürlich hoffen wir, dass sich diese Form weitertragen lässt!«

Artikel von Claudia Bauer:

Claudia Bauer macht seit 20 Jahren Kunst- und Kulturkommunikation für Kunsthalle Wien, Belvedere / 21er Haus und Akademie der bildenden Künste Wien, hier zur Zeit für die Sammlungen. Die Ursula Blickle Stiftung begleitet sie seit 2007.


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