Es geht nicht um Aufhübschung

BIG ART macht Räume auf

Universität Wien, Iris Andraschek, 2009 / © Hertha Hurnaus

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) verwirklicht Kunstprojekte in ganz Österreich.

Am Anfang steht ein Ende: Die gesetzliche Verpflichtung, bei großen öffentlichen Bauvorhaben ein Prozent der Bruttobaukosten in »Kunst am Bau« zu investieren, ist seit Beginn des Jahrtausends Geschichte. Stattdessen spricht man bei BIG ART, jenem Team der Bundesimmobiliengesellschaft, das seit 2005 permanente und temporäre Kunstprojekte in und an ausgewählten Gebäuden der BIG und um diese herum umsetzt, von »freiwilliger Verpflichtung«. »Es ist uns wichtig, Kunst im öffentlichen Raum zu fördern und dem Dialog zwischen Architektur und Kunst Raum zu schenken«, so DI Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der BIG.

Ein fünfköpfiges Fachbeiratsgremium aus Architekten, Künstlern und Kuratoren lädt bei ausgewählten Projekten zum Wettbewerb. Auch Immobiliennutzer und Projektarchitekten dürfen nominieren und abstimmen. Das Augenmerk liegt auf Universitäten und Schulen, sind doch zwei Drittel des Portfolios der BIG Bildungsbauten. 24 Kunstwerke wurden seit 2005 realisiert; pro Jahr werden ein, zwei Projekte ausgelobt. »Es braucht eine gewisse Öffentlichkeit und architektonische Qualität. Wir machen lieber weniger und bleiben qualitativ hochwertig, als jede Feuermauer zu bespielen«, sagt Regina Barta, Teamleiterin von BIG ART. »Es geht nicht um Aufhübschung, sondern auch darum, Experimente zuzulassen.«

Das zeigt sich auch im gesellschaftspolitischen Ansatz vieler BIG-ART-Projekte. So setzte Iris Andraschek 2009 mit der großflächigen Schattenintarsie einer die Faust ballenden Frauengestalt im Arkadenhof der Universität Wien unter dem Titel »Der Muse reicht’s« ein Zeichen gegen die Männerdominanz in der akademischen Welt. Inmitten einer Ahnengalerie von Männern geht die Künstlerin der Universität mit dieser Einlegearbeit »unter die Haut« – natürlich auch ein gesellschaftspolitisches Statement.

Kunst soll den Alltag brechen und abseits des gesellschaftlichen Zwangs zur effizienten Leistung existieren. Bei der Gestaltung des Innenhofs der HTL Spengergasse im 5. Bezirk im Rahmen des Projekts »Metamorphosen von Raum und Zeit«, das die Künstlerin Maria Hahnenkamp in Zusammenarbeit mit dem Architekten Willi Frötscher realisiert hat, zeigt sich, dass Kunst die Fähigkeit hat, „Räume aufzumachen“. Ein aktuelles BIG ART-Projekt von Karin Sander an der Kunstuniversität Linz mit dem Titel „Transzendenzaufzug“ demonstriert das besonders eindringlich: In dieser begehbaren und funktionalen Lichtskulptur darf ein beleuchteter, gläserner Lastenaufzug übers Dach hinausfahren – so kommuniziert die Universität durch die Kunst mit der Stadt.

Artikel von Rainer Sigl:

Rainer Sigl, Studium der Germanistik und Kunstgeschichte, arbeitet als freier Journalist mit Schwerpunkt digitale Medien und Computerspiele, unter anderem für den »Standard« und FM4.


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