Die Kunst des Lernens

Zukunft durch Bildung – mit Kunst als Motor

Judith Eisler, Gheri Sackler und Christine König (v. l. n. r.) / Foto: Marlene Rahmann

Die Kunstsammlerin Gheri Sackler hat die private Initiative Wiener Lerntafel gegründet, um benachteiligten Kindern zu helfen. Auch die Kunst spielt eine große Rolle.

»Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit«, hat der Komödiant Karl Valentin einst gesagt. Doch Kunst kann und sollte auch gesellschaftliche und politische Wirkung entfalten. So sieht das zumindest die Kunstsammlerin Gheri Sackler, gebürtige Österreicherin, aber seit Jahrzehnten vor allem in den USA lebend. Sie ist Begründerin der Wiener Lerntafel, einer privaten Initiative, die Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine sinnvolle Unterstützung in ihrer Schulausbildung ermöglichen soll. Das sei auch bitter nötig: »Wir haben viele Kinder, die schon in zweiter oder dritter Generation hier leben und trotzdem kein Wort Deutsch können.« Hier setzt die Wiener Lerntafel an, die sich fast ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert: Mittlerweile gibt es zwei Lernzentren in Wiener »Problembezirken« sowie zwei weitere in Wels und Linz, in denen vor allem grundlegende Skills wie Deutschkenntnisse, Englisch oder Mathematik vermittelt werden.

Darüber hinaus spielt aber auch die Kunst eine immer größere Rolle: »Anfang 2013«, erzählt Gheri Sackler, »erklärte sich die Firma Gewista großzügig bereit, kostenfrei für uns Plakate im Raum Wien zu präsentieren.« Da es noch keine Sujets gab, kam die Initiatorin der Wiener Lerntafel auf die Idee, gemeinsam mit Judith Eisler, Professorin an der Universität für angewandte Kunst Wien, einen Plakatwettbewerb mit deren Studenten durchzuführen. Die Entwürfe der Gewinner wurden prämiert und trugen dazu bei, die private edukative Einrichtung und ihre Anliegen bekannter zu machen.

Doch damit war der Dialog noch lange nicht erschöpft: Studenten von Judith Eisler traten auch als Lehrende der Wiener Lerntafel auf. Mittlerweile sind weitere Unterstützer auf den Plan getreten. Von der Christine König Galerie in der Schleifmühlgasse vertretene Künstler wie Ovidiu Anton, Natalia Zal⁄ uska, das Künstlerinnenduo Fulterer/Scherrer und Valentin Ruhry sensibilisierten die Schüler der privaten Bildungseinrichtung für Kunst und erarbeiteten gemeinsam mit ihnen Werke, die dann auf einem jährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt verkauft wurden. Der Erlös kam der Wiener Lerntafel zugute. »Wir müssen einfach klarmachen«, sagt Galeristin Christine König, »dass Kunst nicht nur der Erbauung dient, sondern eine soziale Verantwortung hat. Leute, die über entsprechende Mittel verfügen, ob es nun Sammler sind oder Künstler, sollen diese so einsetzen, dass gesellschaftlicher Mehrwert entsteht – vor allem dort, wo es Defizite gibt. In dieser Hinsicht können wir von den USA lernen.«

Artikel von Thomas Miessgang:

Thomas Miessgang, Studium der Germanistik an der Universität Wien. Langjährige Tätigkeit als Journalist in diversen Medien, 2000 bis 2011 Kurator in der Kunsthalle Wien. Seit 2011 regelmäßig Gestalter für die Ö1-Sendungen »Radiokolleg« und »Diagonal«, Autor für »Die Zeit« und Kurator für verschiedene Institutionen, aktuell: »Ganz Wien. Eine Pop-Tour« im Wien Museum.


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