Das Bild hinter dem Minister

Ein Besuch der Artothek des Bundes im 21er Haus

Luzia Reinthaler, Federica Martina, Notburga Coronabless und Andrea Kappes (v. l. n. r.) / Foto: Christian Wind

Wenn sich staatstragende Personen in ihren Büros fotografieren lassen, dann nicht selten vor einem repräsentativen modernen oder zeitgenössischen Kunstwerk. Meist handelt es sich dabei um Arbeiten im Besitz der Republik Österreich. Sie werden von der Artothek des Bundes verwaltet, die im 21er Haus untergebracht und der Österreichischen Galerie Belvedere administrativ zugeordnet ist. Die Sammlung hat einen Bestand von über 37.000 Werken, Tendenz steigend.

Jedes Jahr werden Werke von rund 100 österreichischen Kunstschaffenden aus dem Budget der Sektion für Kunst und Kultur des Bundeskanzleramts angekauft und der Artothek sowie deren seit 2003 bestehender digitaler Bilddatenbank (www.artothek.info) eingegliedert. Neben traditioneller Malerei, Grafik, Bild­hauerei und Fotografie sind in den vergangenen Jahr­zehnten – den zeitgenössischen Kunstströmungen folgend – vermehrt Arbeiten der »Neuen Medien« der Artothek eingegliedert worden. Das stellt eine konservatorische Herausforderung dar, denn die vielen seit 1945 erworbenen Werke wollen nicht nur verwaltet, sondern auch betreut werden. Beides obliegt Notburga Coronabless, Leiterin der Artothek des Bundes. Ihr kleines Team umfasst neben einer Administratorin, die sich auf die Digitalisierung und Konservierung audiovisueller Medien konzentriert, auch eine restauratorische Fachkraft.

Im Tiefspeicher des 21er Hauses, wo die Artothek über rund 1.000 Quadratmeter Depotfläche samt Anlieferungs- und Werkstattbereich verfügt, reiht sich Planschrank an Planschrank, beherbergen raumhohe Schiebewände und Wandstellagen Malerei und Plastiken, stehen monumentale und installative Arbeiten frei im Raum. »Rund 8.000 Werke der Sammlung sind derzeit zu Repräsentationszwecken an Ministerien, Botschaften und andere Bundesdienststellen verliehen, einige davon auch in aktuellen Ausstellungen zu sehen, trotzdem wirkt das Lager bereits wieder überfüllt«, stellt Coronabless angesichts der Platznot fest. »Jedes Jahr verlassen an die 700 Arbeiten unser Haus, aber etwa ebenso viele kommen aus dem Leihverkehr zurück.«

Ob von den »Highlights« in der Datenbank vor allem »große Namen« erbeten würden? »Natürlich wird nach Lassnigs, Mikls und Rainers gefragt, aber durch gute Beratung bringen wir vermehrt Werke jüngerer, aufstrebender Künstlerinnen und Künstler an prominenten Plätzen unter. Das zählt wahrscheinlich zu den schönsten Erfolgen meiner kuratorischen Tätigkeit.«

Artikel von Maria Christine Holter:

Maria Christine Holter lebt und arbeitet als Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien. Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten Wien und Berkeley, USA, Praktikum am Museum of Modern Art (MoMA), New York. Ausstellungsreihen in situ und follow up, Gastkuratorin in Museen, Kunsthallen, Galerien und Off-Spaces. Unternehmensberatung im Bereich Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit, zahlreiche Publikationen zur zeitgenössischen Kunst.


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