Be contemporary!

Wiens Galerienszene und die boomende Lust an Kunst

Horst Szaal, Elisabeth Melichar und Lisa Kandlhofer (v. l. n. r.) / Foto: Christian Wind

Was bedeutet es heute, »zeitgenössisch« zu sein? Und wie können Galeristinnen und Galeristen klare internationale Signale setzen? Ursula Maria Probst führte dazu ein Gespräch mit den Galeristinnen Elisabeth Melichar und Lisa Kandlhofer sowie mit Horst Szaal, Galerist und Gremialobmann des Landesgremiums Wien des Kunst- und Antiquitätenhandels.

»Derzeit erfährt der Wiener Kunstmarkt enorme Belebung. Eine junge Generation von Galeristinnen und Galeristen strömt nach, die sich international positioniert. Kunstmessen wie WIKAM (Wiener Internationale Kunst- & Antiquitätenmesse), Art&Antique, viennacontemporary oder Parallel Vienna verzeichnen Besucherrekorde. Darüber hinaus gelingt es der VIENNA ART WEEK, internationales Publikum zu bündeln«, so Horst Szaal. Das steigende Interesse an Kunst ziehe sich heute außerdem quer durch alle Gesellschaftsgruppierungen.

Zeigten vergangene Statistiken vor allem ein Faible für das historische Wien, richtet sich die Aufmerksamkeit nun verstärkt auf zeitgenössische Kunst. »In Wien könnten durch ein spezielles Galerienwochenende internationale Sammler mobilisiert werden«, appelliert Elisabeth Melichar, auf diesen Publikumsandrang mit weiteren Programmschwerpunkten zu reagieren.

»Wichtig ist dabei, auf Qualität zu setzen, außerdem gilt es die derzeit boomende Lust an Kunst dahingehend weiterzuentwickeln, dass Interessierte Kunst zu Hause haben wollen und zu Sammlern werden. Die Galerien und Kunsthändler bestimmter Stadtviertel sollten für Aktionen intensiver kooperieren, um sichtbarer nach außen aufzutreten.«

Durch die steigende Zahl von Beteiligungen an Kunstmessen und internationalen Art Fairs hat sich das Tempo der Galerienarbeit stark beschleunigt. »Wichtig wäre es, in Wien ein Netzwerk internationaler Sammler aufzubauen und diese zu Messen mitzunehmen. Im Ermöglichen von Experimenten und Freiräumen sind Galerien und Projekträume eklatant wichtig für die künstlerische Produktion«, weiß Lisa Kandlhofer. Sie arbeitete in New York City, ehe sie vor sieben Jahren »aus jugendlichem Leichtsinn« ihre Galerie in Wien eröffnete.

»Die steuerliche Absetzbarkeit von Kunst würde potenziellen Sammlern den Zugang erleichtern«, so Horst Szaal. Hier gelte es, anregende Lösungsansätze zu finden. Denn trotz steter Bemühungen des Verbandes österreichischer Galerien moderner Kunst ist diese in Österreich im Unterschied zu anderen Staaten bis dato nicht gegeben. »Es gilt Schwellängste zu nehmen und auch dahingehend positive Willkommenszeichen zu setzen.«

Artikel von Ursula Maria Probst:

Ursula Maria Probst lebt als freie Kuratorin und Künstlerin in Wien. Ihre Themenschwerpunkte liegen auf Performancekunst und Kunst im öffentlichen Raum. 2017 kuratierte sie »Welt kompakt?«, MuseumsQuartier Wien, »Du oder ich? Collective Soul. Ethik des Miteinanders«, Kunst im öffentlichen Raum NÖ, und »Encouragement«, Saracura, Rio de Janeiro/Brasilien. Zuvor u. a. »Touch the Reality« (Kunstraum Niederoesterreich, 2016) oder die österreichischen Beiträge für die 12. Bienal de La Habana (2015) sowie seit 2014 »Transcultural Emancipation« von KulturKontakt Austria, Bundeskanzleramt und Fluc.


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